Wie kann man schwierige Gespräche führen, wenn man keine Konflikte mag?

Kürzlich stieß ich auf diesen interessanten Artikel in der Harvard Business Review zum Thema Konfliktvermeidungsverhalten "Unangenehme Gespräche führen, wenn man Konflikte nicht mag". Für mich hat er noch einmal unterstrichen, warum wir in unseren Schulungen so viel Wert auf das Geben von Feedback legen. Wenn man kleine Probleme konstruktiv bespricht, vermeidet man große Konflikte.

Vielfalt und Business-Etikette

In einem internationalen Kontext haben Sie es jedoch mit einer großen Vielfalt von (oft unbewussten) Gewohnheiten und Bräuchen zu tun, die sich im Laufe der Jahre zu einer Geschäftsetikette entwickelt haben. So gibt es zum Beispiel die förmlichere Art der Anrede, die unkomplizierte, die gemächliche ohne Gesichtsverlust und so weiter. Es ist wichtig, sich eingehend mit den Gepflogenheiten und den Gründen für ihre Anwendung zu befassen.

So haben wir kürzlich eine internationale Gruppe in einem Führungsprogramm geschult, wie man unerwünschtes Mitarbeiterverhalten wirksam korrigieren kann. Ein Teilnehmer aus den nordischen Ländern sah einen harten Verweis als die gewünschte Vorgehensweise an, ein Südeuropäer vermittelte mit viel Text und Verdrehungen das Gefühl, dass man vielleicht doch etwas ganz anders hätte machen können. Dritter im Bunde war ein asiatischer Teilnehmer. Er ging keine Sekunde auf das unerwünschte Verhalten ein, sondern teilte nur seine Erwartungen mit, und zwar mit einem solchen Nachdruck, dass man spürte: "Hier ist etwas nicht richtig gelaufen!". Der Artikel verweist also zu Recht auf die kulturellen Unterschiede.

Vermeidung von Konflikten: Menschen wollen gemocht werden

Der HBR-Ratschlag in dem Artikel lautet: Seien Sie direkt! Wir Niederländer sind bekannt dafür, direkt zu sein, für manche sogar unverblümt. Aber wir sehen auch viel konfliktvermeidendes Verhalten bei den Niederländern. Es gibt eine Erklärung in der Persönlichkeitsstruktur für die Schwierigkeit, die schwierigeren Gespräche effektiv zu führen. HBR verweist hier auf die Sympathieder Menschen. Ich möchte Ihnen dieses Phänomen noch etwas näher bringen. Denn warum haben manche Menschen ein viel größeres Bedürfnis danach, "gemocht zu werden" als andere? Denn wenn man Menschen fragt, ob sie lieber respektiert oder gemocht werden wollen, sagen sie fast einhellig: respektiert!

Persönliche Vorlieben

Ein hervorragendes Instrument, um dem entgegenzuwirken, ist der Myers-Briggs-Typenindikator (MBTI). In Einzel- oder Teamsitzungen können wir den MBTI nutzen, um die persönlichen Vorlieben der Menschen herauszufinden, mit einem entgegengesetzten Ausdruck für jede Vorliebe. Eine Vorliebe sagt nichts über Kompetenz, Geschicklichkeit oder Fähigkeit aus, sondern ist ein natürlicher Reflex, so wie man eigentlich immer auf die gleiche Weise in die Hände klatscht oder die Arme verschränkt.

Denken versus Fühlen

Hinter der (Un-)Leichtigkeit, mit der sich manche Gespräche führen lassen, verbirgt sich der Unterschied zwischen der Vorliebe für das Denken (Thinking) oder das Fühlen (Feeling). Bilden Sie Ihre Gedanken, Meinungen/Urteile und treffen Sie Entscheidungen auf der Grundlage logischer, objektiver Überlegungen? Das deutet auf eine Vorliebe für das Denken hin! Bilden Sie sie eher auf der Grundlage persönlicher Gefühle und Werte? Das deutet auf eine Präferenz für das Fühlen hin!

Rationalere Menschen verstehen die Welt am besten, wenn sie logisch aufgebaut ist. Sie diskutieren das Thema und Meinungsverschiedenheiten sachlich. Der Ratschlag:"Seien Sie direkt" ist für sie also kein Thema, er betrifft sie nicht persönlich. Ihre Ergebnisse sind konsistent und logisch argumentiert. Die vernünftigeren Menschen versuchen also, Meinungsverschiedenheiten so zu lösen, dass die negativen Folgen gleichmäßig verteilt werden. Aber oh je, wie schmerzhaft ehrlich diese Menschen manchmal sein können!

Das gilt zumindest für diejenigen, die genau diese andere Vorliebe haben: die empathischere Person. Dem sind die Auswirkungen auf andere und persönliche Gefühle wichtiger als inhaltliche Korrektheit oder eine "Klarheit", die nicht auf die beteiligten Personen Rücksicht nimmt. Sie geben ein vorsichtiges Feedback, weil sie die andere Person nicht verletzen wollen, um einen Konflikt zu vermeiden. Dies liegt daran, dass sie die Botschaft selbst persönlich nehmen würden. Sympathie, Verträglichkeit und Mitgefühl - im Artikel Sympathie genannt - führen zu Engagement und Loyalität in der Beziehung. Der Ratschlag:"Seien Sie direkt" ist für sie also eine ziemliche Belastung. Und oh je, wie sie ihn umgehen können!

Überwachung der Beziehung

In unseren Programmen zielen wir darauf ab, die Thinking-Präferenz gut zu trainieren, um die Beziehung sorgfältig zu schützen. Klar zu sein ist gut, und wie reagiert die andere Person verbal und nonverbal?
Und was sagt er/sie zwischen den Zeilen? Diejenigen mit einer Gefühlspräferenz fordern uns heraus, mehr auf den Punkt zu kommen, ihre Grenzen zu benennen und es zu wagen, Nein zu sagen.
Das ist für beide Präferenzen eine ziemliche Herausforderung, aber die Auswirkungen ihres Verhaltens auf die Beziehungen zu anderen werden auf diese Weise erheblich verbessert.

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